Der Newcomer…

Unser erster Besuch galt unserem mittlerweile schon langjährigem Partner Charles Mignon. Was für ein Champagnerhaus: erst 1985 gegründet und schon qualitativ so weit vorne. Gerade hinsichtlich der vielen, teilweise schon mehrere hundert Jahre alten Champagnerhäuser in der Region, kann man hier nur den Hut ziehen und die vielen Investitionen in den letzten Jahren haben Früchte getragen.

Charles Mignon Champagne
Das Champagnerhaus Charles Mignon

Vom klassischen Brut, dem Allrounder für viele Gelegenheiten, bis hin zur Prestige-Cuveé, verkosteten wir einige dieser Vertreter und erfuhren dabei vieles über die Arbeit im Weinberg und der Vorarbeit auf dem Weg zum Champagner. In dieser Region herrschen die besten Bedingungen für den Grundwein vor. Allerdings haben es die von uns viel geliebten Trauben auch nicht leicht.

Im Keller von Charles Mignon
Im Keller von Charles Mignon

Ein stetiger Wetterwechsel und teils extreme Temperaturschwankungen bringen Risiken mit sich, die den Preis eines Kilogramms Traubengut auf das sechs bis siebenfache einer normalen Weinregion treiben. Nach der Lese fängt alles wie bei einem normalen Wein an. Zunächst erfolgt die alkoholische Gärung und erst im Anschluss geht es Richtung Champagner, dazu aber später mehr.

Kennen Sie Charles?

Nach dieser Probe knurrte uns der Magen und für den Abend hatten wir uns mit unserem nächsten Partner Charles Heidsieck in einem renommierten örtlichen Restaurant verabredet. Dem Anlass entsprechend gut gekleidet sollte es losgehen. Aber was für eine Überraschung: das Auto setzte uns nicht am Restaurant ab, sondern vor einer Mauer mit einem Tor und einem großen Garten dahinter. Dort empfingen uns dann die beiden Repräsentantinnen Dominique und Alison von Charles Heidsieck. Nach der Begrüßung stellte sich heraus, dass wir uns die Lagerungsmöglichkeiten von Charles ansehen durften. Nach einem kurzen Gang durch den Park steuerten wir geradewegs auf ein kleines, gemauertes Gartenhäuschen zu. Damit wurde klar: Dies ist der Eingang zum Allerheiligsten, dem Kellergewölbe und somit der Lagerungsstätte der sagenumwobenen Flaschen.

Im Inneren angekommen ging es direkt 20 Meter in die Tiefe. Fahrstuhl? …Fehlanzeige! 8 Kilometer lange Gänge werden hier geboten und immer wieder kegelförmige bis zur Oberfläche ragende Gewölberäume, Crayères genannt, mit lagernden Champagnerflaschen, die darauf warten, gerüttelt zu werden.

Crayères von Charles Heidsieck
Crayères von Charles Heidsieck

Was passiert hier? Die zweite Gärung wird hier durchgeführt und danach erfolgt die Lagerung zusammen mit der Hefe, die die feine Kohlensäure und somit die Perlage löst, die im Wein schlummert. Vorgeschrieben sind für Champagner übrigens 15 Monate, aber je länger, desto besser. Unter dieser Prämisse packt Charles Heidsieck einfach mal was drauf und macht daraus dann mindestens 3 Jahre des Ruhens bis hin zur Vollkommenheit.

Natürlich muss die Hefeeinlagerung im Flaschenhals auch wieder entfernt werden. Dafür dreht man die Flasche über Wochen in maschineller Form und richtet sie langsam auf. So rutscht die Hefe nach und nach in den Flaschenhals und in den Kronkorken mit dem die Flasche übergangsweise verschlossen ist.

Aufstellung der Flaschen
Aufrichtung der Flaschen

Im Anschluss werden die Flaschen im Bereich des Flaschenkopfes heruntergekühlt und auf bis zu -20°C eingefroren, sodass der Hefesatz entfernt werden kann. Dieser Vorgang wird in Fachkreisen „Dégorgement“ genannt. Nach dieser Erklärung und der langen Wanderung durch die Gewölbe ging es dann wieder strammen Ganges über Treppen an die Erdoberfläche.

Nach dem Aufstieg war es endlich Zeit für das Abendessen in der „Brasserie Le Jardin“. Die Garderobe hatte etwas gelitten, aber es hatte sich allemal gelohnt!

Der Weg in die Flasche

Vom Vorabend gut gestärkt und mit freudiger Erwartung ging es am Folgetag weiter zur Zentrale von Charles Heidsieck und zu einer Führung durch die Produktionsanlagen. Diese wurde erneut durch die äußerst charmante Dominique geleitet, die uns über Brücken und Stege herumführte. Das Gebäude war architektonisch so ausgerichtet, dass im oberen Bereich rundherum eine schmale Fensterreihe angelegt ist, deren Scheiben sich automatisch öffnen und schließen lassen. Durch die Vergärung entstehen in den 60 kleineren Tanks, die einzelne Chargen von Rebgut enthalten, gasförmige CO2-Ausschüsse. Sobald der Gehalt in der Luft über ein gewisses Maß ansteigt, öffnen sich die Fenster automatisch und führen somit frische Luft zu, die vor allem auch die Mitarbeiter vor Ort schützen soll.

Charles Heidsieck Produktion
Charles Heidsieck Produktion

Im Probenraum mit Blick auf die soeben besichtigte Produktionsanlage, begrüßte uns auch schon der Kellermeister, der Chef du Cave, Cyril Brun. Nach 15 Jahren bei dem ebenfalls renommierten Champagner-Haus Veuve Clicquot wechselte er 2015 zu Charles Heidsieck, wo er seitdem die Geschicke lenkt. Verkostet wurden neben den gängigen Rosé- und Brut-Qualitäten auch die Jahrgänge von 2005, 2006 und 1995.

Verkostungsflaschen
Verkostungsflaschen

Eine Besonderheit bei Charles Heidsieck ist, dass in jedem Jahr eine gewisse Menge Reserve-Wein aus den Vorjahren genutzt wird. Der Reserve-Wein ist hier in jedem Jahr eine Cuvée aus 50% Pinot Noir und 50% Chardonnay. Diese anteilige Menge kann bis zu 40% eines neuen Champagner betragen und soll den typischen Charakter eines jeden Charles Heidsieck-Produkts in die frische Abfüllung bringen.

Ein jeder Champagner, ausgenommen die Jahrgangsvarianten, besteht aus den Trauben Chardonnay, Pinot Meunier und Pinot Noir, die in jedem Jahr aufs Neue die Assemblage, also die Weinherstellung aus mehreren Rebsorten, durchlaufen. Als krönenden Abschluss dieser Reise hatten wir die Möglichkeit einen 1985er „Reserve Charlie“ zu verkosten, der

Verkostung „Reserve Charlie“
Verkostung „Reserve Charlie“

durch seine immer noch bemerkenswerte Frische an Anklänge von Nüssen, waldigem Pilzboden, karamellisierten Äpfeln und intensiven Röstnoten erinnert. Ein wahres Meisterwerk! Insgesamt sei gesagt, dass sich die Charles Heidsieck Qualitäten gerade durch die perfekte Balance einer nicht zu aufdringlichen Perlage auszeichnen, was den Trinkgenuss unserer Meinung nach ungemein steigert.

Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals sehr bei unseren Partnern für die Eindrücke über diese zwei spannenden Tage hinweg. Ein Besuch der Champagne können wir nur jedem empfehlen und Ihnen die Champagner-Qualitäten ans Herz legen.

Unser Preis-/Genussfavorit von Charles Heidsieck soll an dieser Stelle natürlich auch erwähnt werden – der Brut Réserve:

http://www.ludwig-von-kapff.de/charles-heidsieck-brut-reserve.html

Bei Charles Mignon hat uns ebenfalls der Premier-Cru im Einstiegssegment sehr gut gefallen hat:

http://www.ludwig-von-kapff.de/champagne-charles-mignon-119885.html

Bis zum nächsten Beitrag wünschen wir allen einen guten Start in die ersten sommerlichen Tage des Jahres und schwelgen in guter Erinnerung mit einem Glas Champagner!

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