Unsere Einstellung? Definitiv »pro Wein«! Mit der Lust auf tolle Tropfen, spannende Unterhaltungen und die enthusiastischen Gesichter unserer Winzer haben wir uns mitten hineinbegeben in das »Genussbeben« der ProWein 2019 – der Weltleitmesse für Weine und Spirituosen.

Um es vorweg zu nehmen: Die Reise, der Rummel und die Standhaftigkeit, die uns bei all den Ständen abverlangt wurde, waren jede Mühe wert. Zu gut sind die Freundschaften, waren die Gespräche und schmeckte der Wein unserer Winzer vor Ort. Auch sie haben sich pausenlos »ins Zeug gelegt«, eingeschenkt und Auskunft gegeben über das, was den Wein und die Weinwelt bewegt. Ein paar Tage später – mit etwas Distanz – konnten wir die ersten Eindrücke sortieren und schriftlich fixieren. Ein kleiner Auszug aus drei intensiven Tagen:

Wir starten bei Tobias Krämer, einem überaus sympathischen Jungwinzer aus Gau Weinheim in Rheinhessen. Hier betreibt er zusammen mit seinen Eltern einen Familienbetrieb mit »straighter« Philosophie. Schon während seiner Ausbildung sagte sich Krämer: »Ich möchte ein bisschen was umstellen, was anderes machen.“ Gesagt, getan. Heute vermarktet er seine eigene Weinlinie, die in Ausstattung und Geschmack ihrem Schöpfer entspricht. »Straîght« steht für bodenständige, ehrliche und überzeugende Weine. Krämer dazu: »Das ist mein Wein, das bin ich.« Exzellent umgesetzt finden wir diese Geradlinigkeit im Krämer Straight Sauvignon Blanc, einem Wein mit Pfiff und packendem Aroma von Passionsfrucht, Paprika und Kalk.
Dieser junge, die Herkunft abbildende Stil ist das, was den Betrieb heute ausmacht und Krämers Tropfen so begehrt. Wir können nach unserem Besuch nur zustimmen: Das war straîght!

Nicole Hortig, Tobias Krämer, Ivonne Wardenburg (von links)
Tobias Krämer flankiert von unseren Marketing-Spezialistinnen Nicole Hortig (links) und Ivonne Wardenburg (rechts)

Weiter geht´s zu einem »alten Hasen« im Weingeschäft, der in unserem Sortiment noch neu vertreten ist. Gunter Künstler vom renommierten Rheingau-Weingut Künstler gewährt uns einen spannenden Geschmackseindruck in das gewaltige Potential seiner Weinberge. Hier in Hochheim am Main wird das Zauberwort »Terroir« mit übergroßem »T« geschrieben, denn es sind vor allem uralte Tonmergel-Böden, die den Spitzengewächsen ihre feine Mineralität und große Kraft verleihen. Der Künstler Hochheimer Hölle Riesling, der den Genießer wider seines Namens direkt in den Weinhimmel entführt, stammt von einer der besten Lagen direkt am Mainufer.

Ulrich Breitenstein, Gunter Künstler, Kilian Radolla (von links)
Gunter Künstler (Mitte) mit unseren Weinexperten Ulrich Breitenstein (links) und Kilian Radolla (rechts)

Bei so viel Finesse im Glas zieht man nur ungern weiter. Wir taten es dennoch und finden uns nur wenige Schritte später »am anderen Ende des Rheingaus« wieder…

…und zwar beim Weingut Josef Leitz aus Rüdesheim – was gleichbedeutend ist mit einem weiteren großen »T« für Tradition. Bereits seit 1744 betreibt die Familie Leitz Weinbau im Rheingauer Wein-Mekka Rüdesheim und setzt dabei wie die Künstlers auf die Trümpfe Riesling und Steillage. »Wir wollen, dass es den Leuten schmeckt und dass man viel Spaß mit unseren Weinen hat«, lautet das ebenso einfache wie eindeutige Credo von Nachwuchs-Winzer Antonio Leitz. Eins a in flüssige Form gebracht, ist dies in den vielen verschiedenen Lagen-Rieslingen, die mit Rasse, Schwung und Klarheit beeindrucken. Ein Exemplar, das uns nachhaltig im Gedächtnis bleibt, ist der Leitz Magic Mountain Riesling. Knackig, frisch, intensiver Duft – einfach in Flaschen gefüllte Magie, die zudem noch bezahlbar ist!

Nicole Hortig, Johannes Leitz, Ivonne Wardenburg (von links)
Spitzen-Rieslinge von der Steillage: Johannes Leitz vom Weingut Josef Leitz

Puhh… Wir legen eine kurze Pause ein. So viel Spitzenniveau muss erstmal verdaut werden. Doch die Neugier auf weitere erlesene Kreszenzen ist ungebrochen: Lagrein, Gewürztraminer, Pinot Bianco und Co.? Wir sind dabei! Und treffen auf Elena Walch und ihre Töchter Julia und Karoline.

Ein Volltreffer! Wir sind inmitten der Südtiroler Weinwelt angekommen und selbst wenn wir die Berge nicht sehen – wir können sie schmecken! Elena schenkt uns ihren Chardonnay »Cardellino« ein. Wir probieren. Zwei Sekunden vergehen, noch zwei, noch drei und… – ein Wein, eigentlich zu schade zum Runterschlucken. Aber wir wollen Elena unsere Eindrücke mitteilen, also lassen wir ihn langsam hinuntergleiten. Frisch! Saftig! Weich! Die feingliedrige Säure und exotischen Noten hallen noch lange nach.
Es ist ein typischer Tropfen aus dem Hause Walch, das Elena vor fast 35 Jahren aufgebaut hat. »Mittlerweile ist die neue Generation dran«, sagt sie und blickt hinüber zu ihren Töchtern Julia und Karoline, die das Weingut weiterführen werden. »Ich finde es immer ganz wichtig, dass man beim Trinken eines Weines versteht, woher er kommt. Unsere Weinberge liegen in den Bergen auf über 400 Metern Höhe und es ist natürlich die Mineralität und die Frische, die man in den verschiedenen Weinen merken soll«, bringt Elena die Philosophie der Walch-Weine auf den Punkt.

Elena Walch, Julia Walch, Nicole Hortig (von links)
Zwei Generationen, eine Philosophie: Elena (rechts) und Julia Walch (Mitte)

Erfrischt vom Südtiroler Wein schlendern wir hinüber ins Kamptal zu den österreichischen Nachbarn. Herzlich begrüßt uns Birgit Eichinger an ihrem Stand: »Wir freuen uns wieder hier zu sein auf der ProWein. Mitgebracht haben wir unsere großartigen Lagenweine vom Grünen Veltliner und Riesling, Roten Veltliner und Chardonnay«, lässt sie uns wissen und sofort an das Beste denken. »Wenn Österreich, dann Grüner Veltliner«, sagen wir und probieren den Ried Strasser Gaisberg Erste Lage. Und erste Klasse! Ein dichter, sehr lebendiger Weißwein, der uns Anklänge von Walnüssen, Wiesenkräutern, Mango und Papaya entgegenhaucht. Wir sind schlichtweg begeistert. Was dieser Betrieb aus seinen 16 Hektar Weinbergen herausholt ist bemerkenswert. Neben den Grünen Veltlinern haben es uns auch die Rieslinge von Birgit Eichinger angetan. Ein ganz feines Sortiment von einem wunderbaren Weingut.

Ivonne Wardenburg, Gloria Eichinger, Birgit Eichinger, Nicole Hortig (von links)
Grüner Veltliner der Extraklasse: Birgit Eichinger (2. v. r.) mit Tochter Gloria (2. v. l.)

Zurück bei unseren Heimatwinzern wollen wir es nun genau wissen und bitten die Frohnaturen Nico Espenschied und Katja Bäder zum Kurzinterview. Ihren Antworten merkt man die gemeinsame Rheinhessener Identität an. Aber nicht in allen Punkten sind sie sich einig:

Wir: Rotwein, Weißwein oder Rosé? Katja: »Weiß.« Nico: »Orange.«
Wir: Eure Lieblings-Rebsorte und warum? Nico: »Riesling! Der Facettenreichtum und die Spielmöglichkeiten sind einfach faszinierend.«
Katja: »Ebenfalls der Riesling, wegen seiner Vielfalt vom Terassenwein bis zur Lage. Außerdem liebe ich Weine mit Zug.«
Wir: Holzfassausbau: ja oder nein? Katja: »Nein.« Nico: »Ja.«
Wir: Kork oder Schraubverschluss? Katja: »Schraubverschluss.« Nico: »Schrauber. Da bin ich Radikalist.«
Wir: Tradition oder Moderne? Nico: »Beides, mit fasziniert die Tradition in ihrer Handwerkskunst und die Moderne mit ihren neuen Wegen.«
Katja: »Ich schließe mich an: die Kombination macht´s.«
Wir: Euer Lieblingsgericht zum Wein: Nico: »Käsespätzle zum Nico Espendschied Grauburgunder ›Herz+Hand‹Katja (lacht): »Asiatisches, leicht Pikantes Essen. Gerne zum Bäder Riesling ›La Roche‹

Die beiden haben den Werbeauftrag der ProWein sehr gut verinnerlicht. Hinter ihren Weinen brauchen Sie sich jedenfalls nicht zu verstecken. Die Authentizität, mit der sie uns begegnen, bringt Nico schließlich noch in einer kleinen Anekdote zum Ausdruck: »Schon seit der Grundschule mache ich alles auf den letzten Drücker. Es ist passiert, dass ich in der folgenden Woche filtrieren wollte, aber noch gar keine Cuvée erstellt hatte.« Zum Glück für uns, hat er sie trotzdem fertiggestellt. Bäder und Espenschied – diese Namen sollte man sich merken, wenn man authentische Weißweine mit Charakter liebt.

Katja Bäder (rechts), Nico Espenschied (ganz links)
Rheinhessen-Power: Katja Bäder (rechts) und Nico Espenschied (ganz links)

Die bis hierhin verkosteten Weißweine ließen keine Wünsche offen und keinen Platz nach oben. Der logische Schluss für uns: Auf zum Rotwein…

…und zwar direkt zur Spitze des Weinbergs! »Hello everybody«, heißt uns ein bestens gelaunter Roberto Alonso von den Bodegas Conde Valdemar willkommen. Dieser in der spanischen Rioja heimische Familienbetrieb gehört seit Jahrzehnten zur absoluten Top-Liga der Weinszene. Alonso erklärt uns kurz und bündig warum: »We are making wine since five generations with passion and pride.« Erfahrung, Leidenschaft und der Stolz auf die eigenen Erzeugnisse sind also das Geheimnis des Erfolgs. Wie das zusammen schmeckt? Die Inspiración Valdemar Edición Limitada, eine Edel-Cuvée aus Graciano und Tempranillo, führt es uns vor: intensiv nach dunklen Beeren, cremig, feine Röstaromen, Vanille, Pfeffer, ein Hauch Zedernholz, kraftvoll bis in das sinnlich-lange Finale hinein. Wir setzen die Gläser ab. Alonso schmunzelt. Wir auch. Es sind Momente wie diese, die die ProWein 2019 ausmachen. »We always please to be here in Germany to present all of our special wines to our friends«, fasst Alonso stellvertretend für viele andere Winzer die Stimmung zusammen.

Linkes Bild: Christine Stratmann Egbers mit Jésus Martinez Jr., rechtes Bild: Roberto Alonso
Bei den Bodegas Conde Valdemar: Christine Stratmann-Egbers mit Jésus Martinez Jr. (links) und Roberto Alonso (rechts)

Was aber wäre eine ProWein ohne Bordeaux-Wein? Natürlich haben wir uns auch den großen Namen aus dem Westen Frankreichs angenommen. Unser Bordeaux-Experte Ulrich Breitenstein probierte den noch sehr jungen, aber »qualitativ sehr guten« 2016er Jahrgang: »Für mich überzeugen die Weine mit einer perfekten Balance aus moderatem Alkoholgehalt, einer sehr guten Tanninstruktur, schöner Saftigkeit und einer gut eingebundenen, sehr angenehmen Säure. Die Weine versprechen ein überaus hohes Alterungspotential. In besonderer Erinnerung geblieben sind mir die 16er Jahrgänge vom Château Canon La Gaffelière, Château Smith Haut Lafitte, Château d’Armailhac und Château Léoville Barton

Stephan Graf von Neipperg (links) und Ulrich Breitenstein
Bordeaux-Ikone und Bordeaux-Experte:
Stephan Graf von Neipperg (links) und Ulrich Breitenstein

Erschöpft, aber glücklich verlassen wir die ProWein so, wie wir sie betreten haben: mit Eindrücken toller Gespräche, Geschmäcker und Gesichter im Gepäck. Wein bringt die Menschen zusammen und hebt die Laune obendrein. Das zeigte sich einmal mehr auf diesem Event der Extraklasse.

Also dann: bis nächstes Jahr und zum Wohl!

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