Rosé Wein = Frauenwein?

Ich bin eine Frau, ich bin blond und ich liebe Rosé. Alle freien Assoziationen und Klischees, die Ihnen kommen mögen, dürfen Sie sich jetzt gern erlauben. Aber nur kurz. Und ja, mir geht es auch so. Vor einiger Zeit war ich im noblen Grunewald zu einer Champagner Degustation – so viele kunstblonde, schlauchbootlippige Damen mit „umwerfenden“ Parfums nuckelten an ihren Rosé Champagners ein und derselben Marke. Da hatte auch ich meine Phantasien. Zu Tastings trage ich persönlich nie, wirklich nie, Parfum und Lippenstift. Erstens nicht, weil es meine olfaktorische Leistung an den Rand der Impotenz bringt, zweitens ich Lippenstift-Fettränder an Gläsern unschön finde.

Noch immer weitaus klischeegeplagter ist der arme Rosé selbst. Und das liegt nicht nur daran, dass sich die Winzer über lange Zeit auch nicht recht mit dieser Weinfarbe identifizieren mochten. Bei manch einer Bouteille dachte man eher an ein liebloses Abfallprodukt, das noch schnell den Keller verlassen musste. Belanglosigkeit weit und breit und von Aromenvielfalt und Frische wenig Spur im Glas. Und natürlich hat auch der geneigte Endverbraucher sein Scherflein beigetragen. Mit wenig Anspruch versuchte er, sich den Zauber violett-tönender Lavendelfelder, lauer Sommerabende und provenzalischem Savoir vivre auf der heimischen Terrasse zu konservieren und brachte plörrige Mittelprächtigkeit im Karton mit. Nicht zuletzt taten auch die Meinungsmacher der Punkte-und Sternewelt ihr Übriges, man erinnere sich an Hugh Johnson, der noch 2006 in seinem Weinatlas eher Despektierliches zu Rosé-Weinen mitzuteilen hatte.

Roséwein in einer seiner schönsten Formen - als reinsortiger Zweigelt!
Roséwein in einer seiner schönsten Formen – als reinsortiger Zweigelt!

Rosé auf der Erfolgsspur

Umso erfreulicher ist die Entwicklung der letzten Jahre zu beobachten. Nicht nur in Frankreich entfernt man sich von mediokren und halbherzigen Offerten, die Weinfarbe Rosé findet zurück zu Tiefgang, Struktur und Facettenreichtum.

Leicht zugänglich und unkompliziert heißt nicht mehr, auf Aromen und Geschmack verzichten. Ob fein ziseliert und elegant, floral-duftige Leichtfüßigkeit, krautige Verwegenheit oder Kraft und Opulenz, unsere Nasen und Gaumen dürfen sich erfreuen und das Auge sich an Schattierungen von hellem lachsrosa, über Himbeer- und Erdbeertöne, Pink bis hin zu kirschrot laben.

Darf es mal ein Crémant sein?

Weine, die den Jahreslauf begleiten und zu vielen Anlässen eine gute Wahl sind, gibt es immer mehr. Ein Rosé Crémant aus der Bourgogne kann ein meisterlicher Begleiter zu einer großen Schale vollreifer Erdbeeren mit einem kleinen Schlag Creme fraîche sein. Heitere, frische Rosé munden jetzt zu einem ersten Picknick im Freien, mit einem frühlings-frischen Salat. Und zur Grillsaison, wenn Lammburger und Entrecôte kräftige Röstaromen und Würze bekommen, dann darf auch der Wein ordentlich Power mitbringen.

Ein Crémant de Bourgogne Rosé ist der ideale Begleiter von langen Abenden auf der Terrasse!
Ein Crémant de Bourgogne Rosé ist der ideale Begleiter von langen Abenden auf der Terrasse!

Ein Hoch auf (fast) fifty Shades of Rosé, eine Weinfarbe, die sich aus ihrem nichtssagenden, naiv-unterbemittelten Eckchen befreien und emanzipieren konnte. Lassen wir uns an erquicklichen Weinen erfreuen und genießen wir den herrlichen Frühling mit dem einen oder anderen Tropfen, ganz jungfräulich-vorurteilsfrei und neugierig.

Auf uns!

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