Frescobaldi und die facettenreiche Vielfalt der Toskana

Seit sieben Jahrhunderten steht der Name Marchesi Frescobaldi für leidenschaftliches und beständiges Engagement im Weinbau und in der Weinbereitung, das auf kluge Weise Tradition und Modernität verbindet. Mit einer großen Auswahl ihrer Weine und dem ersten Jahrgang des neuen Weinguts im Gepäck, statteten uns Chef-Önologe Nicolò D’Afflitto und Export-Managerin Karin Mausser einen Besuch in Bremen ab.

Fünf charakterstarke Rote und zwei sehr unterschiedlich großartige Weiße, allesamt Premiumweine wie u.a. Mormoreto, Castelgiocondo Brunello Riserva und Pomino Benefizio standen auf dem Programm, durch das Dott. D’Afflitto mit viel Insider-Wissen und Humor führte. Nachdem jeder seine Verkostungsnotizen niedergeschrieben hatte und die letzten Fachsimpeleien ihr Ende fanden, durften wir den ersten Jahrgang des neuen Weinguts in San Donato/Gaiole im Chianti Classico – Tenuta Perano – verkosten.

Die Tenuta Perano

Nun ist Frescobaldi also auch im Chianti Classico präsent. Die 52 Hektar Weinberge liegen auf einer Höhe von ca. 500 Metern und erinnern in ihrer Anordnung an ein Amphitheater, was für ein besonderes Mikroklima sorgt.  Die steilen Hänge, ideal für die Zirkulation der Luft, die außergewöhnliche Anordnung als Lichtfänger und die moderne Kellerei lassen elegante, körperreiche Weine mit einer samtigen Tanninstruktur entstehen.

Weinberge der Tenuta Perano
Weinberge der Tenuta Perano

Der 2015er Chianti Classico der Tenuta Perano wartete schon in unseren Gläsern und präsentierte sich mit einer fein glänzenden violetten Farbe und fruchtigen Aromen von Brombeeren, Himbeere und Kirsche. Darauf folgten balsamische Noten von Thymian, etwas Eukalyptus und ein Hauch rosa Pfeffer. Die Tanninstruktur ist exemplarisch für einen Chianti Classico und schmiegt sich gekonnt an den Gaumen, sodass der Wein noch lange im Mund zurückblieb.

Zum krönenden Abschluss kamen wir in den Genuss des 2015er Chianti Classico Riserva der Tenuta Perano. Der sich verbreitende Duft machte neugierig auf mehr. Eine feine Aromatik von roten Beeren, Pflaumen und etwas schwarzer Schokolade, begleitet von deutlichen Würznoten wie schwarzem Pfeffer und Muskat entfalteten sich Stück für Stück. Am Gaumen dann die volle Pracht: Frisch, komplex und reichhaltig präsentierte sich der Riserva, mit einer dichten Tanninstruktur und einem langen, harmonischen Abgang.

Frescobaldi's Chef-Önologe Dott. Nicolò D'Afflitto
Frescobaldi’s Chef-Önologe Dott. Nicolò D’Afflitto

Auf ein Wort mit Dott. Nicolò D’Afflitto

Nach einer sensationellen Verkostung blieb mir noch etwas Zeit, um mich mit Nicolò D’Afflitto noch etwas weiter auszutauschen, während man den letzten Schluck des Chianti Classico Riserva der Tenuta Perano genoss.

Was kann man sich unter dem Beruf des Chef-Önologen bei einem so renommierten Unternehmen wie Frescobaldi genau vorstellen?

„Ich bin leitender Önologe aller mittlerweile sieben Frescobaldi Weingüter plus Gorgona, der kleinen Gefängnisinsel. Allerdings hat jeder Betrieb seinen eigenen Kellermeister und somit auch seine eigene charakteristische Stilistik. Ich bin immer zwischen allen Weingütern unterwegs, um mich mit den Önologen vor Ort zu besprechen und zu beraten. Dies ist nicht immer ganz einfach, denn man muss sich bereits auf dem Weg dorthin schon in die Charakteristik der Weine und die Arbeitsweisen des Weinguts versetzen, um die Aufgaben der folgenden Tage und Wochen planen zu können und um die Qualitäten der Weine stetig zu verbessern. Unser Teamwork ist großartig.“

Wie kam es dazu, ein weiteres Weingut in der Toskana zu erwerben?

„Ich bin im Chianti Classico aufgewachsen und arbeite seit 1991 für Frescobaldi. In dieser Zeit haben wir 20 oder 30 Weingüter besucht, mit dem Ziel in diesem herrlichen Gebiet Fuß zu fassen aber irgendwie war nie das Richtige dabei, bis wir uns schlussendlich für die Übernahme der Tenuta Perano entschieden haben. Wir hatten das Weingut bereits seit 2014 in Pacht, um dessen Besonderheiten und Potenziale kennen zu lernen. Ende letzten Jahres ergab sich die Gelegenheit zum Kauf und da mussten wir einfach zuschlagen.
Selbst das Weingut Perano hat mich anfangs nicht zu 100% überzeugt: Auf 500 Metern über dem Meeresspiegel gelegen, fand ich es zu hoch, um vollmundige Sangiovese-Weine zu produzieren. Bei den ersten Überlegungen hatten wir jedoch den „Amphitheater-Effekt“ nicht berücksichtigt. Die relativ steilen Weinberge ordnen sich wie die Tribünen eines Amphitheaters an und der skelettreiche Boden reflektiert die Sonneneinstrahlung extrem.“

Weinkeller der Tenuta Perano
Weinkeller der Tenuta Perano

Die beiden präsentierten Weine der Tenuta Perano, Chianti Classico und Chianti Classico Riserva, stammen beiden aus dem Jahr 2015. Wie war das Jahr für Sie als leitender Önologe im Chianti?

„Der Jahrgang 2015 war wegen seiner intensiven Aromen und der präsenten Tanninstruktur recht außergewöhnlich für mich. Der Winter war reich an Niederschlägen und geprägt von harten Frösten und viel Schnee. Die Temperaturzunahme im Frühling erlaubte den Reben relativ früh auszutreiben und begünstigte die Entwicklung der Blattoberfläche und sorgte für viele Fruchtansätze. Vieles verdankt der außergewöhnliche Jahrgang dem extrem heißen Sommer und den beiden leichten Regenfällen Mitte August. Trotzdem war es ein Jahr mit vielen kräftezehrenden Pflegearbeiten im Weinberg, damit nur perfekte Beeren in unsere Kelter gelangten.“

Vor einigen Jahren wurden Weine mit einer „internationalen Stilistik“ sehr kritisiert. Haben sich die Weine Ihrer Weingüter zu diesem Zeitpunkt auch diesem Trend angepasst?

„Vor einigen Jahren änderten viele Winzer ihre Stilistik, um dem wohl bekanntesten Weinkritiker der Welt zu gefallen – ich nehme an, Sie wissen von wem ich rede… Jeder produzierte dicke, marmeladige, alkoholreiche Weine und legte diese für einige Zeit in neue Eichenholzfässer, was den Preis der Produkte nach oben trieb. Man erhoffte sich so eine hohe Punktzahl zu erzielen, allerdings verkauften sich unsere Weine mit der neuen Stilistik immer schlechter. Deshalb haben wir uns entschlossen, zu unseren ursprünglichen Ausbautechniken zurückzukehren und die Qualitäten unserer Region und der dort wachsenden Rebsorten in den Vordergrund zu stellen. So präsentiert heute auch jedes unserer Weingüter seine ganz eigene Stilistik.“

Rotweinkeller der Tenuta Perano im Chianti Classico
Rotweinkeller der Tenuta Perano im Chianti Classico

Welcher Jahrgang war für Sie bis jetzt der schwierigste bzw. herausforderndste?

„2017 war bis jetzt das schwierigste Jahr meines Lebens: Ich habe 40 Ernten hinter mir und kann mich an keinen ähnlichen Präzedenzfall erinnern. Niemals habe ich solch eine Dürre mitbekommen. Und die Arbeit im Weinberg war sehr hart. Unsere Arbeit im Weinberg besteht darin, die Wurzeln der Reben in die Tiefe zu treiben, damit die Pflanze die extreme Hitze übersteht und mit genügend Wasser versorgt ist. Aber die Beeren selbst waren in diesem Jahr sehr von der Hitze betroffen: Als wir mit der Lese begannen, waren sie extrem konzentriert, da sie schneller reiften als gewöhnlich. Deshalb mussten wir diesmal die Weinbereitung völlig anders angehen. Zum Beispiel mussten wir sehr darauf achten die Gärtemperatur niedrig zu halten, um einen nicht so körperreichen und schweren Wein zu erhalten. Hätten wir die gleichen Techniken wie in „normalen“ Jahrgängen genutzt, wäre der Wein ungenießbar geworden.“

Ein eindrucksvoller und lehrreicher Vormittag ging somit zu Ende und uns blieb nur noch die Verabschiedung unseres Besuchs – die Weine bleiben zum Glück bei uns.
Falls Sie die großartigen Frescobaldi-Weine noch nicht probiert haben, sollten Sie der Versuchung nicht widerstehen und zugreifen. Ich verspreche Ihnen, Sie werden es nicht bereuen. In unserem Shop haben wir für Sie eine große Auswahl der Spitzenweine zusammengestellt, passend für jede Gelegenheit.

Vielen Dank Signora Mausser und Signor D’Afflitto für Ihren Besuch, den tollen Tag und die großartigen Weine.

Grazie infinite per essere venuto. La saluto e le porgo i migliori auguri di buona fortuna!

 

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