Wenn man mit seiner Weltansicht nach draußen geht, hagelt es ja heutzutage in der Regel sofort böse Retourkutschen. Zu allem und jedem gibt ein jeder seinen Senf dazu, gern auch wenig taktvoll und ohne intensive inhaltliche Beschäftigung. An Tagen mit dünnerem Fell ödet mich sowas an oder bringt mich auf die Palme, an Tagen salomonischer Langmütigkeit sage ich „Peace“ und trinke ein Glas Wein auf diese schöne, bunte Welt.

Vegane Weine: Trendthema oder Geschmacksfrage?

Und da sind wir beim Thema – vegane Weine. Da ist ja nicht nur Wein in der Flasche, sondern gleichsam der Umstand an sich eine Angriffsfläche zum gegenseitigen Schlagabtausch. Ich war mir nicht sicher, wie viel ich dazu zu sagen habe. Mir war das Label vegan beim Kauf eines Weins bisher egal. Für mich ist wichtig, dass grundsätzlich so wenig wie möglich in den Prozess des Weinwerdens eingegriffen wird. Das hat mehrere Gründe. Zum einen habe ich nach längerer Krankheit festgestellt, dass mir die Weine einfach besser bekommen, bei denen sowohl in Weinberg als auch Keller nicht so viel „Hand angelegt“ wird. Meine Meinung ist zutiefst subjektiv und ich behaupte auch nicht, dass nur so die besten Weine gemacht werden. Auch bin ich überzeugt, dass Ökosysteme voneinander abhängig sind, sich gegenseitig beeinflussen und auch in Verbindung mit unserem Planetensystem stehen. Mehr als wir annehmen und uns wahrscheinlich derzeit vorstellen können.

Ich meine damit nicht, dass ich hexenmeisterische Winzerinnen und Winzer bei Vollmond durch ihren Weinberg springen und ihren Wein beschwören sehen will. Aber ich verfolge seit Jahren den Mondkalender von Maria Thun – natürlich nicht, um zum guten Zeitpunkt den Rebschnitt durchzuführen, sondern um meinen kleinen Kreszenzen an einem Tag ihren Auftritt zu lassen, der ein wenig intensiveren Genuss bedeutet. Ein Leben und Arbeiten im Einklang mit der Natur, mit größtmöglicher Rücksichtnahme, Akzeptanz und Wertschätzung ist bei mir kein Lippenbekenntnis, sondern ein Anspruch, der durchaus nicht immer leicht umzusetzen ist. Nicht zuletzt pflege ich eine gewisse Skepsis beim Gefühl, es wird etwas nur getan, weil es gerade schwer angesagt ist. So lande ich beim Weinkauf bei biodynamisch produzierten Weinen.

Vegane Weine von Ben Glaetzer - Heartland Wines
Vegane Weine von Ben Glaetzer – Heartland Wines

Wann ist ein veganer Wein vegan?

Aber zurück zum Ursprungsthema. Wann ist ein veganer Wein vegan? Können vegane Weine auch biodynamisch sein? Und ist das jetzt so ein Trendgedöns, das seinen Zenith alsbald schon wieder überschritten hat? Eine nicht repräsentative Kurzbefragung befreundeter Winzerinnen und Winzer ergibt kein einheitliches Bild.

Bezieht man sich ausschließlich auf die Weinbereitung im Keller, sind Weine vegan, wenn keine Zusatzstoffe enthalten sind, die tierischer Herkunft sind. An sich sind zunächst nahezu alle Weine vegan, erst die Klärung macht den Unterschied. Dafür wird oft Schweine-Gelatine verwendet. Ebenso wird zur Bindung sehr präsenter Tannine im Rotwein auf Kasein oder Eiklar gesetzt. Winzer, die vegan produzieren setzen dagegen z.B. auf Erbsenmehl. Bisher gibt es keine verbindliche gesetzliche Grundlage für vegane Weine. Nicht ausreichend scheint da auch das seit 2012 in der EU geltende Gesetz zu sein, Behandlungsstoffe wie Kasein oder Albumin ab bestimmten Grenzwerten auf Etiketten zu deklarieren, was sich wiederum nur auf das Tun während der eigentlichen Weinbereitung bezieht.

 

Vegane Weine von Birgit Eichinger
Vegane Weine von Birgit Eichinger

 

Die Arbeit im Weinberg

Umfassender betrachtet, würde für mich persönlich auch die Arbeit im Weinberg dazu gehören. Wie lebendig darf es da zugehen? Und wenn wir in dem Zusammenhang den Prozess der Weinherstellung tatsächlich von der Arbeit im Weinberg und im Keller verstehen wollen, inwieweit kann das mit biodynamischer Herstellung in Einklang gebracht werden?
Dem werde ich jetzt nachgehen, während ich Ihnen empfehle, vegane Weine zu probieren und sich Ihre Meinung dazu zu bilden. Eine Vielzahl an Weinen wird bereits so hergestellt und viele Winzer gehen damit nicht hausieren, sondern machen es einfach. Lassen Sie sich gut beraten, kommen Sie ins Gespräch und in den Austausch, fernab jeglicher Moden.
In diesem Sinne, auf uns!

(W)einmal um die Welt – Empfehlungen

Deutschland: Bäder Grauburgunder

Österreich: Birgit Eichinger Gründer Veltliner Hasel

Frankreich: Domaine Horgelus Blanc

Italien: Doppio Passo Primitivo Bio

Spanien: Marques de Riscal Reserva

Portugal: Casa Ferreirinha Vinha Grande 

Australien: Ben Glaetzer 

Südafrika: Delheim Pinotage Rosé

Argentinien: Vina Cobos Malbec

 

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